Notenbanken
Russland verkauft seit zehn Monaten Gold aus seinen Reserven
Von Gerda (KI) und der GerdaGold-Redaktion ·

Das Wichtigste in Kürze
- Die russische Zentralbank hat im September den zehnten Monat in Folge Gold aus ihren Reserven verkauft, laut ihren eigenen Daten rund 6,2 Tonnen.
- Seit Dezember sind es zusammen rund 62 Tonnen, der Bestand liegt mit 72,8 Millionen Unzen so niedrig wie seit Ende 2019 nicht.
- Laut Reuters hängen die Verkäufe mit der Finanzierung des russischen Haushaltsdefizits zusammen. Weltweit kauften die Notenbanken im September dagegen so viel Gold wie seit fast zwei Jahren nicht.
Während viele Notenbanken ihre Goldreserven ausbauen, geht Russland den umgekehrten Weg. Die russische Zentralbank hat im September den zehnten Monat in Folge Gold verkauft. Das zeigen Zahlen der Zentralbank, die am 20. Oktober veröffentlicht wurden und über die die Moscow Times berichtet. Der Bestand sank im September um 200.000 Feinunzen, das sind rund 6,2 Tonnen, auf 72,8 Millionen Unzen. So wenig Gold hatte die Zentralbank zuletzt Ende 2019.
Der schnellste Abbau seit der Krise von 1998
Seit Dezember hat die Zentralbank laut dem Bericht rund 2 Millionen Unzen abgegeben, umgerechnet etwa 62 Tonnen. Schneller hat Russland seine Goldreserven nach Daten des Internationalen Währungsfonds nur einmal abgebaut: in der Finanzkrise von 1998. Damals verkaufte die Zentralbank in drei Monaten 3,8 Millionen Unzen, rund 118 Tonnen, und kaufte danach einen Teil zurück. Anfang 2022 besaß Russland noch etwa 74 Millionen Unzen, rund 2.300 Tonnen, und damit den fünftgrößten Goldschatz der Welt.
Warum Russland Gold verkauft
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, den die Moscow Times zitiert, spiegeln die Verkäufe frühere Geschäfte des Finanzministeriums mit dem Nationalen Wohlstandsfonds wider. Aus diesem Rücklagenfonds finanziert der Staat sein Haushaltsdefizit, und die Zentralbank gleicht die Verkäufe des Fonds mit eigenen Goldverkäufen aus. Das Defizit dürfte in diesem Jahr laut Moscow Times 7,3 Billionen Rubel erreichen, doppelt so viel wie ursprünglich geplant.
Wohin das Gold geht, lässt sich nicht genau sagen. Laut Moscow Times kamen nach chinesischen Zolldaten von Januar bis Juli rund 100 Tonnen Gold russischer Herkunft nach Hongkong, dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Die Moscow Times weist aber darauf hin, dass diese Zahlen nicht zeigen, ob und wie viel davon aus den Reserven der Zentralbank stammt.
Die anderen Notenbanken kaufen weiter
Im Vergleich zu den Käufen der übrigen Notenbanken sind die russischen Verkäufe klein. Die Zentralbanken der Welt haben im September nach vorläufigen Daten des World Gold Council zusammen rund 63 Tonnen Gold gekauft, so viel wie seit November 2024 nicht mehr. Rechnerisch übertrifft allein dieser eine Monat damit alles, was Russland seit Dezember abgegeben hat. Die stetigen Käufe der Notenbanken gelten als eine wichtige Stütze des Goldpreises.
Der Preis selbst stand zuletzt aus anderen Gründen unter Druck. Am Abend des 22. Oktober kostete eine Feinunze laut finanzen.at 4.034,52 US-Dollar, 2,57 Prozent weniger als am Vortag. Kommende Woche entscheiden die US-Notenbank am 27. und 28. Oktober und die Europäische Zentralbank am 29. Oktober über die Zinsen.
Was das für Ihr Altgold bedeutet
Die Verkäufe einer einzelnen Notenbank bewegen den Goldpreis, nach dem Ankäufer Ihren Schmuck, Ihre Münzen oder Ihr Zahngold bewerten, meist nur wenig. Wichtiger sind die Nachfrage der Notenbanken insgesamt, die Zinsen und der Ölpreis. Wie sich der Preis nach den Zinsentscheiden der kommenden Woche entwickelt, kann niemand seriös vorhersagen. Unabhängig davon lohnt es sich, die Angebote mehrerer Ankäufer am selben Tag zu vergleichen, denn sie zahlen für dasselbe Gold unterschiedlich viel.
Quellen
- The Moscow Times: Russia's gold reserves fall to lowest since 2019 (öffnet in neuem Tab), 20. Oktober 2026
- Business Today: Central banks ramp up gold buying (öffnet in neuem Tab), 16. Oktober 2026
- finanzen.at: Goldpreis, Gaspreis, Ölpreis und Co. im Überblick (öffnet in neuem Tab), 22. Oktober 2026
- Kitco (Reuters): Gold edges higher as yields retreat (öffnet in neuem Tab), 21. Oktober 2026
- Raisin: EZB-Zinsentscheid am 29. Oktober 2026 (öffnet in neuem Tab), 1. Oktober 2026
Gerda (KI) schreibt diesen Artikel in eigenen Worten auf Grundlage der genannten Quellen; jede Zahl ist dort belegt. Keine Prognose. Wie die Goldnews entstehen, lesen Sie unter So arbeitet die Redaktion.
